Bericht von den German Open 2008
Wieder einmal war das Bonner Frankenbad Austragungsort des internationalen Synchronschwimmwettkampfes höchster Qualität. Aus 20 Nationen waren 85 Aktive angereist, um das Olympiajahr zu eröffnen. Für viele war somit dieser Wettkampf erste Standortbestimmung auf dem Weg nach Peking oder nach Eindhoven zu den Europameisterschaften. Im Synchronschwimmen beginnen die Wettkämpfe mit der Auslosung der Startreihenfolgen. Für das deutsche Team gab es da einen herben Schlag. In der Gruppe bescherte das Los die Startnummer eins und als erste ist es immer schwer, sich bei den Wertungsrichtern ins rechte Licht zu rücken. Hatte sich die viele harte Arbeit des letzten Jahres gelohnt? Doch zunächst kamen Duett und Solo zum Zuge.
Spaniens Duett in einer andern Liga
Im Duett erlebten die Zuschauer das erste Highlight. Gemma Mengual aus Spanien, die amtierende Vizeeuropameisterin ging mit ihrer neuen Duettpartnerin Andrea Fuentes an den Start. Auch Andrea Fuentes kennt das Frankenbad aus vielen Wettkämpfen im spanischen Team. Das Duett begann ihre Kür mit einer sehr langen Unterwasserphase, bei der die Schwimmerinnen auf dem Kopf stehend schnelle und synchrone Beinbewegungen ausführten. Im Weiteren war die Kür durchsetzt von verspielten Elementen, die neben der technischen Qualität den künstlerischen Anteil in den Vordergrund hob. Damit hofft man, in Peking gegenüber den Weltmeisterinnen aus Russland, die über die höchste Technik verfügen Boden gut zu machen. Die Wertungsrichter gaben für die Technische Kür 96,833 Punkte. In der Freien Kür ging es noch ein Stück höher, mit 97,500 Punkten hatten die Spanierinnen über fünf Punkte Vorsprung auf die zweit platzierten Griechinnen. Man konnte sagen, die Spanier schwammen in einer anderen Liga.
Aber auch das Duett aus Griechenland mit Evanthia Makrygianni und Desponia Solomou verfügt über olympische Erfahrung und konnte diese auch in die Kür einbringen. Mit 91,751 Punkten erreichten sie sogar etwas mehr Punkte als bei den Weltmeisterschaften im letzten Jahr. Für beide Duette hatte sich die Reise nach Bonn gelohnt, auch wenn der direkte Vergleich mit den Russinnen nicht erfolgte. Die Reise nach Bonn hatten auch Duette aus entfernten Ländern angetreten. Erstmals an den German Open nahm ein Duett aus der Dominikanischen Republik und eines aus Malaysia teil. Auch die Mexikaner waren wieder mit einem Duett vertreten. Für diese Duette ging es nicht um Medaillen, sondern darum sich auf der internationalen Bühne zu präsentieren. Das Duett aus Malaysia schwamm eine ansprechende Kür, bekam von den Wertungsrichtern aber nur 76,167 Punkte. Die Duette aus den beiden anderen Nationen schafften trotz ihrer jungen Karriere über 80 Punkte. Das Duett aus der Dominikanischen Republik begann die Freie Kür mit einem sehr gelungenen Heber. Überhaupt gehört zu jeder international hochrangigen Kür auch im Duett ein Heber oder Wurf. Das ist selbstverständlich auch bei den Duetten der DSV-Auswahl der Fall. Lisa Lacker und Iris Zeppenfeld. Mit 78,883 Punkten belegten sie in der Technischen Kür den gleichen Platz wie das Duett aus der Dominikanischen Republik. Im Finale geht es wieder bei null Punkten los und es zählt nur die Freie Kür. Mit einer Technisch guten Kür und der passenden künstlerischen Ausstrahlung schafften Lisa und Iris die 80 Punkte Marke. Beide schwammen die Figuren sehr eng und synchron, doch streckenweise wirkte das Duett nicht als Einheit. Bei Lisa kamen immer wieder ihrer Qualitäten als Solistin zum Vorscheinen und so dominierte sie mit ihrer Ausstrahlung. Wiebke Jeske war die Reserveschwimmerin in diesem Duett. Um im Falle einer Verletzung auf dem Weg zu Start direkt einspringen zu können, stand sie geschminkt und in Schwimmkleidung neben der Startbrücke und fieberte mit ihren Kameradinnen mit.
Für den DSV starteten noch zwei weitere Duette in diesem Wettkampf. Die Mannschaftsleitung nutzte die Möglichkeit auf einem internationalen Wettkampf Erfahrungen zu sammeln. Melanie Zillich und Kyra Felsner die Jüngsten der drei deutschen Duette ergriffen die Gelegenheit, sich den Wertungsrichtern zu präsentieren. Mit 74,584 Punkten ist das Ergebnis nicht sehr üppig, aber hier ging es auch zunächst nur darum, in der Welt Fuß zu fassen. Anja Kühn, im dritten Duett mit Franziska Kesseler verausgabte sich bei ihrer Freien Kür so sehr, dass sie sich nach dem Wettkampf erste einmal hinlegen musste. Der sofort herbei geeilte Mannschaftsarzt gab kurze Zeit später Entwarnung. Auch zur Erleichterung von Anjas Mutter, die extra zu diesem Wettkampf mit angereist war um ihre Tochter anzufeuern. Weitere Anfeuerungen erhielten die Schwimmerinnen von der deutschen Schwimmjugend, die mit der Aktion kleine Stars treffen große Stars unter der Leitung von Sonja Schlamp in der Fankurve für Stimmung sorgten.
Trotz Erkältung gute Leistung im deutschen Solo
Im Solo ging Lisa Lacker für den DSV an den Start. Eine Erkältung mit starkem Husten machen Lisa das Leben schwer. In einer Sportart, wo die Aktiven nur spärlich zum Atem kommen, ist diese Belastung schwer zu verkraften. Dennoch zeigte Lisa eine solide Technische Kür und belegte zusammen mit der Solistin aus der tschechischen Republik punktgleich mit 79,333 Punkten den zehnten Platz. In der Freien Kür zeigte sich, dass Lisa eine echte Solistin ist und erreicht durch ihre Ausstrahlung glatte 80 Punkte. Damit schob sie sich alleine auf Platz 8 und sicherte sich den Einzug in das Finale. Zwei Tage später im Finale war der Husten schon etwas abgeklungen und Lisa konnte sich voll auf ihre Darbietung konzentrieren. Sie schwamm weite Wege und nutzte das gesamte Becken voll aus, was für eine Soloschwimmerin nicht einfach ist. Das Losglück war Lisa für das Finale nicht gegeben. Sie musste als erste ins Wasser. Nur sehr zaghaft gaben die Wertungsrichter ihre Punkte. Insgesamt wurden bei diesen Wettkämpfen recht niedrige Wertungen gezogen. Vielleicht lag es daran, dass sich die Wertungsrichter im Jahr der Olympischen Spiele noch etwas Luft nach oben lassen wollten. Somit konnte Lisa Lacker mit ihren 79,666 Punkten und Platz 7 sehr zufrieden sein. Sie war in ihrer Losgruppe die Beste. Zu den Medaillenplätzen war es noch ein weiter Weg.
Schon in der Technischen Kür kristallisierte sich die Rangfolge heraus. Chloe Willhelm aus Frankreich setzte sich an die Spitze und strebte somit die Nachfolge von Virginie Dedieu, der Weltmeisterin aus Frankreich an. Mit Respektabstand folgte Jenna Randall aus Groß Britannien, die sich mit einer kraftvollen Kür vor Rosanne Klein Geltink aus den Niederlande platzierte. Diese Rangfolge änderte sich auch in der Freien Kür nicht. Im Finale konnte Rosanne ihren dritten Platz knapp aber deutlich vor der Slowakin Maria Dzurekova verteidigen. Ihre Leistung war besser, als es der geringe Abstand von 0,15 Punkten vermuten ließ. Die zweite deutsche Solistin Melanie Zillich erreichte in der Gesamtwertung in der starken Konkurrenz von 23 Solistinnen einen beachtlichen vierzehnten Platz. Auch die jüngste Schwimmerin dieser Veranstaltung startete im Solo. Livia Lang aus Österreich war gerade mal 13 Jahre alt. In der Technischen Kür zeigte sie schon Qualitäten einer großen Schwimmerin, in der Freien Kür musste sie sich aber Melanie Zillich geschlagen geben.
Sensationelle Überraschung im Team
Das deutsche Team hatte im letzten Jahr viel gearbeitet und mit neuen Trainingsmethoden und wissenschaftlicher Unterstützung die Technik verbessert. Nun sollte sich zeigen, ob sich der Aufwand gelohnt hatte. Die Würfe klappten, die Reihen waren gerade und synchron auch die Heber waren in Ordnung. Lediglich bei einer Hebefigur, in der zwei Aktive synchron gehoben werden mussten gab es wieder Abweichungen. Mit 78,833 Punkten in der Technischen Kür war das Ergebnis enttäuschend. Besonders hoch waren die Punktzahlen auch bei den anderen Mannschaften nicht. Alle Teams kämpften noch mit leichten Schwächen, z. B. bei der Synchronen Ausführung der Beinbewegungen in den Unterwasserphasen. Die Bundestrainerin Tatjana Reich war zu Beginn der Freien Kür sichtlich nervös und angespannt, aber sie hatte gute Arbeit geleistet. Das DSV-Team kämpfte sich weiter an die Niederländer heran. Insbesondere der Sprung mit einem Salto rückwärts hatte Weltklasse Niveau und wurde wegen seiner Höhe und Präzision von den Trainern anderer Nationen bewundert. Es reichte für das Finale, aber noch nicht für eine Platzverbesserung.
Im Finale kam es dann zu einer Sensation. Die Niederländer schienen erschöpft. Im Vorkampf waren sie deutlich besser. Nun wirkten ihre Würfe kraftlos und waren nicht mehr so hoch. Auch die Griechinnen waren erschöpft. Ihnen brach sogar ein Heber zusammen. Wie aber würde es den Deutschen ergehen. Auch ihnen steckten drei harte Wettkampftage in den Gliedern, aber die Strapazen waren ihnen nicht anzusehen. Alle Heber und Würfe klappten perfekt, selbst den parallelen Doppelheber führten sie synchron aus. Das Ergebnis ließ nicht auf sich warten. Mit der sehr guten Wertung von 83,334 Punkten hatte das Team nicht nur eine Steigerung von über drei Punkten geschafft, sondern auch die 80-Punktemarke deutlich übersprungen und die Niederländer überflügelt. Verdient konnte Deutschland die Bronzemedaille in Empfang nehmen. Gold ging an die Mannschaft aus Griechenland, die trotz ihres Patzers knapp über 90 Punkte erhalten hatte. Silber sicherte sich die Mannschaft aus Weißrussland mit einer hohen Wertung von 87,500 Punkten.
Zwei Bronzemedaillen für Deutschland bei vier Wettkämpfen
Eine weitere Bronzemedaille erreichte die deutsche Mannschaft in der Kombination. In der Kombination werden die einzelnen Teile Solo, Duett, Gruppe und auch Trio miteinander kombiniert. Neben den Schwierigkeiten und Übungen der einzelnen Wettkampfdisziplinen muss ein Augenmerk auf die Wechsel gelegt werden. Diese Übergänge werden immer einfallsreicher und origineller. Taucht eine Solistin in einem Kreis der Gruppe auf, entfernen sich die anderen Schwimmerinnen wieder. Bisher war es so, dass diese dann an den Rand schwammen und abseits im Wasser auf ihren nächsten Einsatz warteten. Zunehmend ist es jetzt der Fall, dass die nicht beteiligten Schwimmerinnen für die Solistin einen Rahmen bilden oder wie ein Publikum für deren Darbietung agieren. In der Kombination konnte sich die Mannschaft aus den Niederlanden zwar gegenüber Deutschland behaupten, aber neben der Bronzemedaille wurde das deutsche Team von den Wertungsrichtern mit 80,667 Punkten für ihre gute Leistung belohnt. Sieger wurde die Mannschaft aus Weißrussland mit 87,834 Punkten.
Von den Erfolgen der deutschen Mannschaft konnte sich auch Anselm Oehlschlägel, Vizepräsident des DSV, überzeugen. Er war nicht nur zu einer kurzen Stippvisite nach Bonn gekommen, sondern begleitete die Veranstaltung über einen längeren Zeitraum. Somit erhielt er einen guten Eindruck über die Wettkampfleistungen und über die Arbeit im Hintergrund von Udo Lehmann, seinen Mitarbeitern und den Mitgliedern aus dem Internationalen Schwimmverein Bad Godesberg, die bei der Ausrichtung halfen.
