Internationaler Schwimmverein Bad Godesberg
23.06.2009

Freiwasser Ahoi: Der ISV im Bodensee

Gutes Essen, durchwachsenes Wetter, eine Bronzemedaille und jede Menge Spaß: Das war unsere Bilanz der deutschen Freiwassermeisterschaften in Lindau. Aus allen Himmelsrichtungen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten reisten 8 Aktive des ISV Bad Godesberg vom 18.-21. Juni 2009 an den Bodensee. Ex-Coach Bernhard Zinndorf übernahm für das Wochenende noch einmal die Teambetreuung und als Fanclub reisten Bianca und Michi aus dem benachbarten Dornbirn ins Strandbad Eichwald an.

Der erste Tag gehörte Patrik Teut: Er hatte sich als einziger getraut, sich für die 10km-Distanz zu melden. Die Zitterpartie vor dem Start - Coach Bernhard und Johanna kamen erst kurz vor Rennbeginn an und Patrik hatte es nicht so leicht wie angekündigt, eine hübsche Ersatzbetreuerin zu engagieren - machte ihm offensichtlich nichts aus.

Patrik absolvierte die 10 Kilometer im Bodensee in hervorragenden 2:30 Stunden, und das, obwohl er sich nach jeder 1,25 km-Runde Zeit nahm, um die Betreuer und Zuschauer zu unterhalten. Das begann mit freundlichem Winken und charmantem Lächeln und steigerte sich bis zu einem herzhaften Rülpser nach dem Trinken, während im Hintergrund gerade ein WDR-Fernsehinterview stattfand. Das amüsierte sogar das Kampfgericht. Als einige Runden weiter das Führungsfeld zur Überrundung ansetzte, schwamm Patrik höflich aus dem Weg, um Thomas Lurz und Konsorten vorbeizulassen.

Trotz allem: Als er sich nach der vorletzten Runde an der Start-/Zielbrücke laut bei Bernhard erkundigte, ob er die 2:30 noch schaffe, hatte er noch 18 Minuten Zeit. Patriks kurzer Kommentar: "Schaff ich" - und schon war er unterwegs auf der letzten Runde. Und tatsächlich: am Ende reichte es für eine 2:30:58.

Und auch das Unterhaltungsprogramm zahlte sich aus: Am Freitag morgen konnte Patrik erfreut feststellen: "Ich hab schon Koon-Kiu-Status - mich haben gerade zwei Mädels angesprochen, ob ich nicht derjenige sei, der bei den 10 Kilometern die ganzen Zuschauer und Betreuer unterhalten hat". Koon-Kiu hatte sich vor einigen Jahren in Burghausen unsterblich gemacht, als er versehentlich die Runde abkürzte und anschließend einige Zeit mit Weltrekord in den Ergebnislisten geführt wurde, bevor der Irrtum auffiel und die Disqualifikation folgte.

Der Freitag begann mit dem 5-Kilometer-Rennen in der offenen Klasse, bei dem Patrik wieder antrat. Dieses gab er allerdings nach der halben Strecke auf - weil er sich fühlte, "als wäre ich 10 Kilometer geschwommen und hätte 10 Liter Bier getrunken", wovon natürlich nur die Hälfte zutraf. Die darauf folgenden 5 Kilometer der Frauen mussten aufgrund von Gewitter abgebrochen werden und konnten erst nach einigen Stunden Unterbrechung durchgeführt werden.

Im weiteren Verlauf gehörte der Freitag den Schnapszahlen: Stephan Schlolaut absolvierte die 2,5 Kilometer in schnellen 33:33 Minuten, gefolgt von Jürgen Zender in 36,40 Minuten. Wir staunten nicht schlecht, als wir abends im Restaurant einen Betrag von 111 € zahlen mussten.

Überhaupt hat das Restaurant eine Erwähnung verdient: Landgasthof Adler in Schlachters, betrieben von einem Bayern indischer Abstammung, hatte nicht nur eine umfangreiche Karte voller leckerer gutbürgerlicher Gerichte zu günstigen Preisen zu bieten, sondern auch noch einen sehr aufmerksamen und unterhaltsamen jungen Kellner. Es hat uns dort so gut gefallen, dass wir dem Restaurant für alle drei Tage treu geblieben sind.

Doch auch unsere Unterkunft soll nicht unerwähnt bleiben: Stefan Berger, der die ganze Reise organisiert hat (vielen Dank dafür!), hatte uns in einer Ferienwohnung mit Bauernhofanschluss auf dem Land in unmittelbarer Nähe von Lindau untergebracht. Dort wurden wir von Edgar Kern und Familie ausgesprochen freundlich und aufmerksam betreut und jeden Morgen mit Frühstück versorgt. Nach frischen Brötchen, Eiern vom eigenen Hof, Kaffee, Orangensaft und Nutella konnte eigentlich nichts mehr schief gehen, zumal wir uns als Wegzehrung auch immer noch ein paar Kirschen von den vorbildlich gepflegten Obstbäumen pflücken konnten.

Zurück zum Sport: Am Samstag war unser Hauptwettkampftag. Den Start machten Stefan Berger und Sebastian Kugler, die einen großen Teil ihrer 5 Kilometer nebeneinander schwimmen konnten. Sebastian setzte sich auf der letzten Runde einige Meter ab und beendete die Strecke in 1:14:25 Stunden, drei Minuten unter seiner bisherigen persönlichen Bestzeit. Stefan kam 47 Sekunden später mit 1:15:12 ins Ziel.

Es folgte in der Startgruppe der "älteren" Masters Jürgen Zender, der seinem Trainingsrückstand Tribut zollen musste und mit 1:18:16 Stunden nicht ganz an seine Leistungen aus dem letzten Jahr anknüpfen konnte. Angesichts der Rahmenbedingungen und des 19 Grad kalten Wassers war aber auch er mit dem Ergebnis zufrieden.

Anschließend kam unser Medaillenrennen: Johanna Beckmann konnte über 5 Kilometer mit hervorragenden 1:18:32 Stunden nicht nur ihre Bestzeit um über eine Minute verbessern, sondern auch ihre Bronzemedaille vom letzten Jahr verteidigen. Mit ihr schwamm Christiane Fritsche, doch auch sie hatte sehr wenig trainiert und konnte das hohe Tempo nach den ersten zwei von vier Runden nicht mehr mitgehen. Sie kam nach 1:26:41 Stunden ins Ziel, war aber zwischendurch aufgrund von Schulterschmerzen auch schon eine lange Strecke Delphin einarmig geschwommen.

Am Sonntagmorgen standen die 3x1,25 Kilometer-Staffeln auf dem Programm. Doch als wir um 8 Uhr zur Beschriftung ins Schwimmbad kamen, gab es schlechte Nachrichten: Aufgrund des Regenwetters und des nächtlichen Sturms hatte sich das Wasser auf 16,6 Grad abgekühlt. Da die Mindesttemperatur für Mastersschwimmen 18 Grad beträgt, konnte die Staffel nicht gestartet werden. Es folgten zweieinhalb Stunden banges Warten, bis um 10:30 Uhr erneut gemessen wurde. Wir hatten Glück im Unglück: Die Temperatur war auf knapp 18 Grad gestiegen und das Kampfgericht entschied, die Staffel um 11 Uhr durchzuführen. So kam auch Monika Zender noch zu ihrem Rennen: Aufgrund einer starken Erkältung hatte sie die 2,5- und 5-Kilometer-Strecken abgemeldet, sich aber vorgenommen, zumindest ein Mal - für die Staffel - in den See zu springen.

Die Freiwasser-Staffeln hatten Premiere bei den Deutschen Meisterschaften, und der ISV trat direkt mit zwei Teams an: Stephan, Johanna und Patrik stellten die erste Mannschaft, Sebastian und die "alten Herrschaften" Monika und Jürgen starteten als zweite Mannschaft in der Altersgruppe über 120 Jahre. Obwohl Stephan als Startschwimmer als zweiter des Gesamtfeldes in die Wechselzone kam, reichte es am Ende für beide ISV-Staffeln nur für den 4. Platz in ihrer jeweiligen Altersgruppe.

Nächstes Jahr finden die Deutschen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen in Strausberg bei Berlin statt und wir sind fest entschlossen, wieder teilzunehmen.

Sebastian Kugler

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